Sony Xperia 1 im Kamera-Test: Viel hilft viel

Mit dem Sony Xperia 1 will der japanische Hersteller bei Fotos und Videos endlich zeigen, was er wirklich drauf hat. Wir waren auf Einladung von Sony auf Foto-Safari in Venedig unterwegs und zeigen Euch die Ergebnisse im ersten Kamera-Test des Sony Xperia 1.

Sony Xperia 1 Kamera: Die technischen Daten

Mit dem Xperia 1 wagt sich Sony erstmals in den Bereich der Triple-Kameras vor. Dabei verzichten die Japaner allerdings auf ihren eigenen 48-Megapixel-Sensor, sondern verwenden in jeder der drei Kameras einen Sensor mit einer maximalen Auflösung von 12 Megapixel.

Bei den Brennweiten gibt es die Auswahl zwischen Ultraweitwinkel, normal und Zweifach-Zoom, zumindest im Automatik-Modus: Das Ultraweitwinkel-Objektiv kann im manuellen Modus nicht verwendet werden. Schade. Sonys eigene Kamera-Anwendung bietet keine Möglichkeit, RAW-Fotos zu speichern. Wer diese braucht, muss Open Camera oder eine andere Kamera-App installieren.

Technische Daten der Kameras im Sony Xperia 1:

Ultraweitwinkel: 12 Megapixel, 16 mm Brennweite, Blende f/2.4, Sensor 1/3,4 Zoll, Fixfokus

Normalbrennweite: 12 Megapixel, 26 mm Brennweite, Blende f/1.6, Sensor 1/2,6 Zoll, OIS, EIS, Autofokus

Tele-Optik: 12 Megapixel, 52 mm Brennweite, Blende f/2.4, Sensor 1/3,4 Zoll, OIS, EIS, Autofokus

Frontkamera: 8 Megapixel, Blende f/2.0, Sensor 1/4 Zoll, Display-Blitz, SteadyShot, HDR

Xperia 1 Kamera-Test: Sony glänzt bei Tageslicht

Bei guten Lichtbedingungen liefert das Sony Xperia 1 sehr gute Fotos ab. Detailreichtum, Belichtung, Bilddynamik und Schärfe können sich absolut sehen lassen, das Smartphone produziert fast keine verwackelten oder anderweitig unbrauchbaren Fotos ab. Bildrauschen ist allerdings etwas schneller zu bemerken als bei einigen anderen der besten Kamera-Smartphones. Während der Zweifach-Zoom nur bedingt nützlich ist - die Vergrößerung gegenüber dem normalen Objektiv ist schlicht nicht allzu stark - kann das Ultraweitwinkel-Objektiv fleißig Punkte sammeln.

Das liegt auch an einer Option in den Einstellungen der Kamera-App. Hier kann der Anwender entscheiden, ob das Xperia 1 bei den Weitwinkel-Aufnahmen die üblichen Verzerrungen direkt herausrechnen soll. Dann wird das Bild an den Rändern zwar minimal beschnitten, sieht aber weniger nach Fischaugen-Objektiv aus. Diese Option bietet derzeit kein anderer Hersteller.

Apropos Kamera-App: Während viele dieser Anwendungen mit verschiedensten Aufnahmemodi und Optionen überfrachtet werden, wirkt Sonys Kamera-App erfrischend schlicht und auf das Wesentliche reduziert. Einen eigenen Nachtmodus gibt es ebenso wenig wie einen Modus für Portrait-Aufnahmen. Die Hintergrund-Unschärfe lässt sich mit einem Tipp ein- und ausschalten und in der Stärke verändern. Der Bokeh-Effekt klappt meistens gut, produziert aber wie bei allen anderen Smartphones ab und an Fehler. Die Kamera reagiert ausgesprochen schnell und ist dank des zweistufigen Auslöser-Knopfes in allen Lagen sofort einsatzbereit.

Die Frontkamera hat zwar nur 8 Megapixel, liefert aber ebenfalls gute Fotos ab, die mit ordentlichen Details und einer guten Schärfe punkten können. Im manuellen Modus lassen sich hier allerdings nur der Weißabgleich und die Belichtungskorrektur einstellen.

Xperia 1 Kamera-Test: Low-Light-Fotos mit viel Flair

Wird das Licht weniger, werden die Fotos aus dem Sony Xperia 1 in den Details schwächer. Die Bildschärfe leidet an einem verstärkten Bildrauschen, das relativ schnell zu bemerken ist, ohne allzu stark in das Bild herein zu zoomen. Low-Light-Spezialisten wie das Huawei P30 Prooder das Google Pixel 3 liefern hier technisch sauberere Fotos ab.

Trotzdem sind die Fotos des Sony Xperia 1 im Kamera-Test auch bei wenig Licht in anderer Hinsicht ziemlich gut, und zwar bei der Stimmung. Während etwa Huawei Low-Light-Bilder viel zu stark aufhellt und Samsung häufig einen Gelbstich in die Fotos bringt, bildet das Sony Xperia 1 die Realität viel natürlicher ab und liefert so Bilder, die dem, was das Auge sieht, ziemlich nahe kommen. Da sind die Schwächen in den Details zu verschmerzen.

Bei schlechten Lichtbedingungen entscheidet übrigens das Xperia 1 selbstständig, ob die Tele-Optik mit der kleineren Blende überhaupt angesprochen wird oder ob ausschließlich das normale Objektiv mit der Blende f/1.6 zum Einsatz kommt. Durch die größere Blende, die mehr Licht auf den Sensor lässt, kommt das der Bildqualität zugute, sorgt aber dafür, dass der Zoom schlechter wird, da er dann nur digital arbeitet. Der Nutzer wird darüber nicht informiert und sieht in der Kamera-App keinen Unterschied. Daran sollte Sony noch arbeiten.

Die Video-Funktionen des Sony Xperia 1

Videos kann das Sony Xperia 1 im Kamera-Test in HD, Full HD mit wahlweise 30 oder 60 fps oder in 4K mit 30 fps aufnehmen. Auch hier gelingt dem Smartphone eine natürliche Wiedergabe der Lichtsituation und der Farben. Die Kombination aus optischer und elektronischer Bildstabilisation sorgt für eine ruhige Hand, auch im Laufen lässt sich mit dem Xperia 1 vortrefflich filmen. Zeitlupenaufnahmen können wahlweise mit 120 oder 960 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet werden, die höhere Bildrate arbeitet nur in HD.

Darüber hinaus hat Sony dem Xperia 1 noch einen Spezial-Modus für alle Hobby-Filmer verpasst. Die App heißt Cinema Pro und bietet Features, die für den normalen Einsatz nicht wirklich notwendig sind, mit denen ambitionierte Video-Fans aber noch mehr aus der Kamera des Xperia 1 herausholen können. Diesen Spezial-Funktionen werden wir einen weiteren Artikel widmen.

Fazit

Der Wechsel auf eine Triple-Kamera hat sich für Sony in jedem Fall gelohnt. Die Kamera liefert in fast allen Lagen gute bis sehr gute Bilder ab. Leichte Schwächen in den Details bei Low-Light-Fotos macht das Xperia 1 im Kamera-Test mit einem besondern naturgetreuen Look wett. Schade nur, dass Sony den eigenen 48-Megapixel-Sensor nicht verwendet und dadurch die Möglichkeiten des Pixel-Binnings nicht nutzen kann - vor allem bei Low-Light hätte das geholfen. Für Hobby-Filmer hat das Sony-Smartphone ebenfalls jede Menge zu bieten.