Noch vor einem Jahr hätten wir gesagt, dass man für unter 100 Euro kaum ein ordentliches Smartphone bekommt. Aber mittlerweile simd mit dem Honor 7A und dem Xiaomi Redmi 7A Smartphone mit einem tollen Preis-Leistungs-Verhältnis erschienen, die für grundlegende Aufgaben genug Power mitbringen und auch noch schicker aussehen als frühere Modelle in dieser Preisklasse.
Da möchte der Hersteller Blackview aus Hong Kong natürlich nicht zurückstehen und bringt mit dem A60 Pro ebenfalls ein Smartphone für knapp 90 Euro auf den Markt, dass Kunden mit kleinem Geldbeutel überzeugen soll. Wer ein großes Display möchte, der wird mit 6,1 Zoll überzeugt und sogar einen Fingerabdrucksensor verbaut der Hersteller, der fehlt bei anderen Modellen dieser Preisklasse oft. Dass auch LTE unterstützt wird, ist unter 100 Euro ebenfalls keine Selbstverständlichkeit.
Neben den beiden vorgenannten Geräten treten noch das Cubot J3 Pro und das Wiko Jerry 3 zum Vergleich an.
Gehäuse – Abnehmbare Rückseite beim Blackview-Handy
Gradient Blue, Emerald Green und Interstellar Black heißen die Farbvarianten, letztere kommt mit einem Streifenmuster an der Rückseite, während die blaue Farbvariante einen Verlauf an der Rückseite bietet. Die Rückseite sieht mit einer etwas unebenen Oberfläche nun nicht gerade nach Oberklasse aus, ist aber angesichts des Preises in Ordnung. Vorne gibt es eine kleine Waterdrop-Notch und insgesamt recht schmale Ränder um das Display. Die Rückseite lässt sich abnehmen, allerdings kann man dann nur auf die Slots zugreifen, der Akku ist fest verbaut. Das Gehäuse ist insgesamt recht stabil, nur starker Druck auf die Front kommt zum Bildschirm durch.
Dafür, dass das Blackview A60 Pro einen sehr großen Bildschirm bietet, sind 170 Gramm Gewicht akzeptabel.
Ausstattung – Viel RAM fürs Geld
3 GB RAM sind eine gute Ausstattung, die 16 GB Massenspeicher sind in dieser Preisklasse üblich, sie werden aber dennoch schnell an ihre Grenzen stoßen, schließlich sind nach Abzug des Betriebssystems nur noch 11 GB verfügbar. Der interne Speicher lässt sich per microSD-Karte erweitern, diese können allerdings nur als externer Speicher eingebunden werden. Erfreulich ist, dass für die microSD-Karten ein eigener Slot zur Verfügung steht, man kann also zwei SIM-Karten und eine eigene microSD einlegen.
Ein 3,5mm-Audioport ist ebenso vorhanden wie ein Fingerabdrucksensor zum Entsperren des Smartphones.
Software – Einigermaßen aktuelle Patches
Android 9 kommt als Betriebssystem zum Einsatz, die Sicherheitspatches stammen vom Juni 2019 und sind damit noch akzeptabel aktuell. Der Hersteller passt das System nur zaghaft an und installiert auch recht wenig eigene Apps. Die Übersetzung der zusätzlichen Menüpunkte und Anwendungen ist teils nicht erfolgt, sie sind dann nur auf Englisch erhältlich.
Kommunikation und GPS – LTE an Bord
WiFi 4, also WLAN nach Standards 802.11 b/g/n ist an Bord und die Geschwindigkeiten, die das Blackview A60 Pro in unserem Test mit dem Referenzrouter Linksys EA8500 erreicht, sind entsprechend. Das Honor 7A ist in unserem Test minimal langsamer, das Wiko Jerry 3 bricht hier völlig ein.
In Sachen LTE-Netze wird nur das Nötigste abgedeckt, in Mitteleuropa sollte man aber auch bei Auslandsreisen keine Probleme haben. Die maximale LTE-Geschwindigkeit ist ordentlich und auch der Empfang im gut ausgebauten deutschen D2-Netz ist gut, sowohl im Freien als auch in Gebäuden.
In Innenräumen wird unser Testgerät nicht geortet, im Freien steigt die Genauigkeit aber sehr schnell auf sehr gute 3 Meter.
In unserem Praxistest machen wir eine Fahrradrunde, zu der wir das Testgerät und auch das Referenz-Navi Garmin Edge 520 einpacken. Dabei zeigt sich das Blackview A60 Pro als recht zuverlässig, was die Ortung angeht und kann die gefahrene Strecke recht exakt nachvollziehen. Für die meisten Navigationszwecke sollte es also recht gut geeignet sein. Allerdings gibt es keinen Kompass, sodass beispielsweise in Google Maps keine Blickrichtung angezeigt wird.
Telefonfunktionen und Sprachqualität – Über Ohrhörer etwas leise
Als Telefon-App kommt das Original von Google zum Einsatz. VoLTE wird laut Hersteller unterstützt.
Der Klang über den eingebauten Ohrhörer ist leise, aber einigermaßen sauber, leise Nebengeräusche sind aber hörbar. Das Mikrofon zeichnet unsere Stimme mit einem hörbaren Dröhnen auf, versteht dafür aber auch leise Stimmen und übermittelt sie recht gut zum Gesprächspartner. Via Lautsprecher klingt unser Gegenüber recht dünn, auch hier werden leise Stimmen vom Mikrofon gut aufgezeichnet.
Kameras – Keine Glanzdisziplin des A60 Pro
An der Front gibt es eine 8 Megapixel-Kamera, die sogar durch eine zweite Linse unterstützt wird: Diese löst allerdings nur mit 0,3 Megapixel auf und soll bei der Berechnung von Tiefenunschärfen dienen. Angesichts der extrem geringen Auflösung darf ihr Nutzen bezweifelt werden.
Die Hauptkamera macht recht dunkle Bilder, gleichzeitig überstrahlen helle Bereiche schnell, die Dynamik lässt also zu wünschen übrig. Farben werden verfälscht und der Himmel auf unserer Umgebungs-Aufnahme wirkt pixelig. Bei schwachem Licht wird der Blaustich der Kamera noch deutlicher sichtbar, die Schärfe bricht völlig ein, es entsteht ein verwaschenes Bild.
Videos lassen sich in FullHD aufzeichnen, allerdings nur maximal mit 30 fps. Die Videos wirken nicht sonderlich gut aufgehellt, Helligkeitsunterschiede gleicht die Belichtung sichtbar abgestuft aus und Flächen wirken schnell pixelig. Der Ton wird recht leise aufgezeichnet.
Die Frontkamera neigt ebenfalls zur Unschärfe, Flächen wirken unsauber und verpixelt.
Insgesamt eignet sich das Kamera-Layout höchstens für Schnappschüsse, das Xiaomi Redmi 7A bietet mit seinen Kameras deutlich bessere Bildqualität
Bildervergleich
Wählen Sie eine Szene und navigieren Sie im ersten Bild. Ein Klick ändert die Position bei Touchscreens. Ein Klick auf die vergrößerten Bilder öffnet das Original in einem neuen Fenster. Das erste Bild zeigt das skalierte Foto, welches mit dem Testgerät aufgenommen wurde.
Natürlich bekommt auch das Blackview A60 Pro eine zweite Chance, es darf sich nämlich nochmal unter festgelegten Lichtbedingungen in unserem Testlabor beweisen. Auch hier kann uns das Testgerät allerdings nicht wirklich überzeugen: Auf dem Testchart sind seltsame Farbschwankungen zu sehen, gleichzeitig sind Kontrast und Schärfe mäßig. Bei Farbflächen zeigen sich weiterhin deutliche Unsauberkeiten, zudem werden sie zu dunkel wiedergegeben.
Zubehör und Garantie – Der Händler machts
Das Blackview A60 Pro kommt mit einer Silikon-Hülle, Ladegerät und Ladekabel zu uns, ein SIM-Tool wird nicht benötigt, da die SIM-Slots unter der Abdeckung zugänglich sind.
Zur Garantie macht der Hersteller keine Angaben, hier muss man sich also auf seinen Händler verlassen und sollte diesen entsprechend mit Bedacht auswählen.
Eingabegeräte & Bedienung – Fingerabdrucksensor beim Blackview-Handy
Die Oberfläche des Smartphone-Displays ist mit einer festen Schutzfolie überzogen und bietet einen spürbaren Widerstand für den Finger. Was uns beunruhigt: Immer wieder werden unsere Berührungen vom Smartphone nicht erkannt, der Touchscreen ist zu wenig empfindlich.
Der Fingerabdrucksensor an der Rückseite funktioniert hingegen zuverlässig und entsprerrt das Smarpthone sehr flott, ebenso funktioniert die Gesichtserkennung gut.
Die einzigen Hardware-Buttons finden sich an der rechten Gehäuseseite, sie sind gut zu ertasten und haben einen guten Druckpunkt.
Display – Helles IPS-Panel verbaut
Von der klassischen 16:9-Auflösung haben sich Smartphones zugunsten schmalerer Gehäuse schon lange verabschiedet, 1.280 x 600 Pixel wie beim Blackview A60 Pro sind dennoch eine ungewöhnliche Kombination. Die Auflösung ist damit auch etwas geringer als beim Xiaomi Redmi 7A oder dem Honor 7A. Das Bild besitzt beim genauen Hinsehen eine leichte Unschärfe, ist aber insgesamt auf klassenüblichem Niveau.
In Sachen Helligkeit schlägt sich das Gerät gut, auch die Gleichmäßigkeit der Ausleuchtung ist zufriedenstellend.
Durch seinen recht niedrigen Schwarzwert ergibt sich beim Blackview-Handy ein gutes Kontrastverhältnis von 2.145:1. Farben wirken dennoch etwas flau auf dem Bildschirm, das mag am leichten Blaustich liegen, den wir in unseren Tests mit dem Spektralfotometer und der Software CalMAN feststellen.
Die Farbabweichungen sind aber für die Klasse auf sehr niedrigem Niveau, was uns gut gefällt. Druckfarben kann man zwar damit nicht beurteilen, aber das Display gibt einen etwas natürlicheren Farbeindruck wieder als andere Displays dieser Preisklasse.
Unter 10 % Helligkeit kommt es zu einem Flackern des Bildschirms bei 100 Hz, wer empfindlich auf soetwas reagiert, der sollte den Bildschirm bei niedriger Helligkeit vor dem Kauf einmal ausprobieren.
Für den Außengebrauch ist das Smartphone hell genug, direkte Sonne auf dem Bildschirm sollte man dennoch meiden. Es ergeben sich bei direkter Sonneneinstrahlung auch Reflexionen auf dem Screen.
Die Blickwinkel sind gut, man kann das Bild auch aus flachen Winkeln erkennen, allerdings ergibt sich auch eine deutlich sichtbare Farbverschiebung.
Leistung – Viel Power im A60 Pro
Mit dem Helio A22 von MediaTek bringt das Blackview-Smartphone ein SoC mit, das eigentlich für Mittelklasse-Smartphones gedacht ist und das man in der Preisklasse unter 100 Euro nicht vermuten würde. Entsprechend hoch ist auch die Rechenpower, das Blackview A60 Pro positioniert sich in den meisten Benchmarks vor dem Honor 7A und nur knapp hinter dem Xiaomi Redmi 7A. Somit bietet es ausgesprochen viel Leistung für seine Preisklasse, das System läuft meist flüssig und auch Apps im Hintergrund bleiben erstmal geöffnet.
Die Grafikeinheit PowerVR GE8300 bietet ebenfalls passable Leistungswerte, sie fällt aber im Vergleich zum Prozessor etwas hinter die stärkeren Vergleichsgeräte zurück.
Auch beim Surfen im Internet muss sich unser Testgerät in Sachen Geschwindigkeit nur dem Redmi 7A geschlagen geben. Man muss zwar auf Bilder gelegentlich warten, wenn Websites geladen werden, aber für so wenig Geld bekommt man sonst fast nirgends ein so flüssiges Interneterlebnis. Auf den internen Speicher wird etwas langsamer zugegriffen als bei manch anderem Vergleichsgerät aus dieser Preisklasse. Hier muss man schonmal auf das Laden einer App warten.
Mit unserer Referenz-Speicherkarte Toshiba Exceria Pro M501 kommt unser Testgerät zwar zurecht, allerdings sind die Geschwindigkeiten auch hier unterdurchschnittlich.
Spiele – Steuerungsprobleme
Für eine Partie Angry Birds 2 reicht die Leistung des Blackview A60 Pro aus, leichte Ruckler sind aber ab und an sichtbar.
In Temple Run 2 prüfen wir, wie gut die Steuerung mittels Touchscreen und Lagesensor funktioniert. Dabei stolpern wir erneut über den zu unempfindlichen Touchscreen, der manche Kommandos erst bei stärkerem Druck weiterleitet.
Emissionen – Erwärmung hui, Lautsprecher naja
Temperatur
Erfreulich ist, dass die Gehäusetemperaturen nicht über 39 °C klettern, selbst bei längerer Volllast. Das heißt, dass das Gerät sich zwar leicht, aber niemals unangenehm erwärmt.
Lautsprecher
Das Pink-Noise-Diagramm des Mono-Lautsprechers an der Rückseite zeigt einen deutlichen Einbruch im Bereich der mittleren Höhen, während im Bereich der hohen Hochtöne wiederum eine Spitze entsteht. Das lässt darauf schließen, dass der Klang unangenehm stark in diesem Bereich betont sein könnte. Tatsächlich stimmt das auch, der Klang wirkt zudem wenig präsent.
Per 3,5mm-Buchse an der Oberseite oder per Bluetooth lassen sich Kopfhörer oder Lautsprecher anschließen. Der Klang wird sauber ausgegeben und im Falle der Buchse sitzt der Stecker sehr fest, kann also kaum ungewollt herausrutschen.
Akkulaufzeit – Blackview A60 Pro hält durch
Energieaufnahme
Beim Stromverbrauch zeigt sich das Blackview-Smartphone recht sparsam: Vor allem unter Last ist der Verbrauch vergleichsweise gering.
Akkulaufzeit
Mit 12:18 Stunden in unserem WLAN-Test ist die Akkulaufzeit des Blackview A60 Pro gut. Das Redmi 7A bietet zwar nochmal deutlich mehr, ansonsten kann aber keines der Vergleichsgeräte mithalten. Für zwei durchschnittliche Arbeitstage Nutzung ohne Laden sollte die Akkupower ausreichen.
Das kleine beliegende Ladegerät braucht knapp 3 Stunden, bis unser Testgerät wieder voll geladen ist.
Fazit – Netter Versuch
Das Blackview A60 Pro ist ein ehrenwerter Versuch, dem Xiaomi Redmi 7A Paroli zu bieten und tatsächlich kann das Gerät in einigen Bereichen ganz gut mithalten: Die Leistung ist hoch, die Akkulaufzeiten passen, der Bildschirm ist hell und bietet guten Kontrast und auch die Ausstattung passt. Blackview hat sich also den durch das Redmi 7A gestiegenen Ansprüchen in dieser Preisklasse recht erfolgreich angepasst. Handfeste Vorteile des Blackview-Telefons gibt es auch, nämlich den Fingerabdrucksensor und das genauere GPS. Auch ist das Design mit Waterdrop-Notch moderner.
Dennoch bleibt das günstige Xiaomi-Phone ungeschlagen, denn es ist in vielen Kategorien zumindest ein bisschen besser und bietet die deutlich bessere Kamera, flotteren Speicher, Schnellladen und einen besseren Lautsprecher. Das Blackview A60 Pro hat zudem mit den unsicheren Verhältnissen im Garantiefall und einem ungenauen Touchscreen zu kämpfen.
Das Blackview A60 Pro bietet viel für seinen günstigen Preis, aber es gibt noch bessere Angebote.
Wem das Design des Blackview A60 eher zusagt und wer sich der Einschränkungen bewusst ist, der kann sich das Gerät mal anschauen, in einigen Bereichen bietet es deutlich mehr, als man in dieser Preisklasse erwarten würde. Für alle anderen sind Xiaomi Redmi 7Aoder Honor 7A die noch besseren Angebote.