Getreu dem Motto "Größer, schneller, besser" bildet das Apple MacBook Pro mit seinem 16-Zoll-Display die aktuelle Speerspitze der macOS-Laptops. Wir haben das performante Flaggschiff in den letzten Wochen getestet und kommen nun zu einem Fazit.
Apple musste das Rad nicht neu erfinden, um das eigene MacBook-Pro-Portfolio ein Stück näher in Richtung Perfektion zu bewegen. Das Drehen an einigen wenigen Stellschrauben hat bereits ausgereicht, um diverse Probleme der Vorgänger auszumerzen und wichtige Komfort-Features weiter zu verbessern. Zu den wesentlichen Faktoren gehört jedoch nicht nur das mit 16 Zoll geringfügig größere Display, sondern vor allem die Verbesserungen im Bereich der Tastatur, Kühlung und Leistung. Optisch und haptisch wie immer wertig verpackt in den bekannten Aluminium-Unibodys des US-amerikanischen Herstellers.
Die Tastatur kehrt zu ihren besten Wurzeln zurück, das Display wird größer
Notgedrungen musste sich Apple von der eigenen Butterfly-Tastatur verabschieden und den lang ersehnten Wechsel auf den Scherenmechanismus einleiten. Die klassischen, aber verbesserten Scissor-Switches bieten einen deutlich längeren Hub, leisen Anschlag und sind weniger fehleranfällig gegenüber Staub- sowie Schmutzpartikeln.
Die unserer Meinung nach gesteigerte Präzision spielt vor allem uns als Vielschreibern in die Karten und minimiert Tippfehler durch eine bessere Separierung einzelner Tasten. Dass nun auch die Escape-, Touch-ID-Netzschalter- und Pfeiltasten mehr Raum zum Atmen erhalten, macht sich in der Praxis ebenso positiv bemerkbar wie das riesige Trackpad mit Force-Touch-Technologie und die erhaltene Touch Bar.
Der auf 16 Zoll angewachsene Retina-Bildschirm des MacBook Pro überzeugt in seiner neuen Form mit einer hohen Auflösung von 3072 x 1920 Pixeln, dem großen P3-Farbraum, True-Tone-Technik und einer soliden Helligkeit von über 500 cd/m². Schmalere Displayränder sorgen zudem dafür, dass sich der Fußabdruck des Notebooks im Vergleich zum 15-Zoll-Vorgänger nur um wenige Millimeter vergrößert und mit 2 kg ist auch das Mehrgewicht auf der Waage kaum spürbar.
Somit bleiben die kontraststarken und farbintensiven Displays der MacBook Pro-Reihe weiterhin das Maß der Dinge, auch wenn eine höhere Bildwiederholrate von 90 Hz oder gar 120 Hz sowie eine konfigurierbare, matte Oberfläche wünschenswert gewesen wären.
Das Sound-System profitiert vom größeren Gehäuse
Es war zu erwarten, dass Apple das leicht größere Unibody-Gehäuse des MacBook Pro dazu nutzt, um die Ausstattung zu erweitern. Unter anderem wurde das Sound-System mit sechs Lautsprechern samt Tieftönern und Dolby Atmos-Unterstützung aufgebohrt, sodass ein für Notebooks voluminöser Klang entsteht, der im mobilen Bereich seinesgleichen sucht. Eine Erweiterung der Anschlüsse bleibt jedoch aus.
Man trifft weiterhin auf "nur" vier Thunderbolt 3-Ports im USB-C-Format nebst 3,5mm-Audio-Klinken und auch die Facetime HD-Kamera muss noch immer mit einer vergleichsweise geringen 720p-Auflösung auskommen. Die meisten Mac-Nutzer dürften sich jedoch bereits gut mit USB-C-Adaptern, Docks und passenden Sticks ausgestattet haben, sodass sich die Frage nach normalengroßen USB-Anschlüssen wahrscheinlich nicht mehr stellt. Dass zusätzlich kein WLAN-ax (WiFi 6) vorhanden ist, können wir aufgrund der bisher nur geringen Verbreitung der Technologie allerdings verschmerzen.
Verbessertes Kühlsystem lässt hohe Leistungswerte länger zu
Im Mittelpunkt eines jeden Apple MacBook Pro steht die Performance, bei dem sich das Top-Modell mit 16-Zoll-Display von seinen kompakten 13-Zoll-Geschwistern der Pro- und Air-Reihe abhebt. Unser Testsystem setzt auf den Intel Core i9-9980HK (Coffee Lake), ein Achtkern-Prozessor mit einer Taktspanne zwischen 2,4 und 5,0 GHz. Hinzu gesellen sich 32 GB DDR4-Arbeitsspeicher, eine 2-TB-SSD mit Transferraten von circa 2,8 GB/s und die AMD Radeon Pro 5500M (Navi) mit 8 GB Videospeicher. In dieser Form schlägt unser MacBook Pro mit etwas mehr als 4500 Euro zu Buche. Von einem Schnäppchen kann man hier also nicht mehr sprechen.
Doch für kreative Köpfe könnte sich das Investment lohnen - Zeit ist schließlich Geld. Und genau diesen Zeitfaktor bedient das neue 16 Zoll große MacBook Pro. Durch eine verbesserte Kühlung kann Apple die entstehende Wärme des Prozessors und der Grafikkarte besser abführen, was dafür sorgt, dass eine hohe Leistung auch über einen längeren Zeitraum gewährleistet wird. Somit kann die einstige CPU-Drosselung der Vorgänger vermieden werden und selbst bei voller Auslastung darf das System weit über 90 Prozent seiner Performance dauerhaft abrufen. In einem Volllast-Szenario ist unser MacBook Pro mit etwas über 50 Dezibel zwar nicht gerade leise, dank tieffrequenter Lüfter aber auch nicht allzu nervig.
Die dauerhaft hohe Performance des 16-Zoll-MacBook-Pro verkürzt die Wartezeiten bei anspruchsvollen Produktionen enorm, vor allem beim Rendern und Encoding von Videoprojekten oder bei der umfangreichen Foto- und Bildbearbeitung. Während Apples hauseigene Tools wie Final Cut Pro X bereits gut auf die Mehrleistung und vor allem das aktuelle macOS Catalina-Betriebssystem reagieren, hakt es bei beliebten Adobe-Programme wie Photoshop, Premiere und Co. etwas. Hier fehlen noch die einen oder anderen Software-Updates von Adobe selbst, bis von einer wirklichen Stabilität gesprochen werden kann. Mit dem aktuellen MacBook Pro liefert Apple jedoch die unserer Meinung nach beste mobile Hardware-Basis für kreative Professionals, die auf viel Leistung angewiesen sind.
Unterwegs ist das MacBook Pro ein echter Langläufer
Schön zu sehen ist, dass unser MacBook Pro 16 seine hohe Leistung auch im Akkubetrieb ausfahren kann. Dafür sorgt die vergrößerte 99,8-Wattstunden-Batterie. Die herstellereigene Angabe einer Akkulaufzeit von 11 Stunden übertrifft das Testgerät zum Beispiel beim Videostreaming im Safari-Browser. Hier sind sogar mehr als 12 Stunden möglich. Ein genauer Richtwert für den produktiven Alltag mit Renderings und Co. lässt sich allerdings kaum beziffern, da dem macOS-Laptops bei Vollauslastung in Benchmarks auch gerne nach 1-3 Stunden die Puste ausgehen kann. Je nach Programmnutzung und dem eigenen Multimedia-Alltag sollte man eher mit 5-6 Stunden rechnen, während bei einer reinen Office-Nutzung nach der 8-Stunden-Schicht sogar noch Strom für den Feierabend übrig bleibt.
Unser Fazit zum Apple MacBook Pro 16 Zoll
Apple hat mit dem 16 Zoll großen MacBook Pro ein echtes Kraftpaket geschaffen, das seine hohe Leistungsfähigkeit dank einem verbesserten Kühlsystem voll entfalten kann. Vor allem mit den flotten Achtkern-Prozessoren und AMD Radeon-Grafikkarten bietet man Kreativen eine mobile Workstation, die auch abseits der Steckdose ihre Performance-Vorteile ausspielt, verpackt in einem schlanken und optisch zeitgemäßen Gehäuse. Die neue Tastatur mit traditionellem Scherenmechanismus bringt den alten Glanz der Pro-Serie zurück, nach dem sich Vielschreiber und Programmierer lange gesehnt haben.
Der hohe Preis rechtfertigt sich jedoch nicht nur aufgrund der Leistung und einer neuen Tastatur. Apple bietet zudem das bisher beste Sound-System in einem Notebook und überzeugt mit kapazitätsstarken Batterien und einer daraus resultierenden, langen Akkulaufzeit. Natürlich darf man sich über die zwar vielseitigen, aber doch einschränkenden Schnittstellen beschweren, die weiterhin nur aus Thunderbolt-3-Anschlüssen bestehen. Oder aber, dass Apple im Jahr 2020 noch immer auf eine 720p-Webcam setzt.
Am Ende liefert Apple unserer Meinung nach ein erstklassiges Gesamtpaket mit starker Performance, ausgezeichneten Eingabegeräten, langer Akkulaufzeit und einen der besten Bildschirme am Markt. Wer bereit ist, sein Geld in ein leistungsstarkes MacBook Pro zu investieren, für den sollte die 16-Zoll-Version derzeit die erste Wahl darstellen.